Die ganz große Schuh-Liebe

Die Stadt aus der ich stamme bezeichnet man hier als Kaff j. w. d. und irgendwie stimmt es ja auch. Ich habe mich verliebt, in Schuhe und diese Schätze hätte ich dort nie im Leben bekommen. Aber beginnen wir da, wo jede gute Liebesgeschichte startet, beim Kennenlernen.

Nacht der Manufakturen

Ich war erst skeptisch, aber meine Beste hat mich zum Glück überredet. „Mensch, dit is´n Trend, Nachhaltigkeit, selbst jemacht! Nüscht wie hin!“ meinte sie und tatsächlich ist mir ein Licht aufgegangen während der Nacht der Manufakturen. Berlin ist bekannt für Kreativität, die hinter bunten Holzfenstern lauert und vom bröckeligen Stuck tropft. Wer sich immer schon gefragt hat, wo die ganzen coolen Berliner ihre individuellen Klamotten, Accessoires, Möbel und und und herbekommen. Geht hin, geht zur Nacht der Manufakturen und kauft euch ein ehrliches Berliner Image. Es ist unglaublich faszinierend hier zum Beispiel den Schuhmachern bei ihrer Arbeit zuzusehen. Live zu erleben, wie durch Konzentration, Liebe zum Material und handwerkliches Können Schuhe entstehen, die einfach nur perfekt sind. Die Maßschuhmacherei Hennemann & Braun hat hier jeden einzelnen Schritt vom Maß nehmen am Kundenfuß bis zum fertigen Einzelstück vorgeführt. So bin ich auf die Idee gekommen, selbst auch etwas für das Handwerk zu tun. Ich wollte um Himmels willen nicht mit dem Herstellen von selbstgebastelten Schuhen anfangen, wäre zwar wahnsinnig Berlin aber die Schuhe würden sicher nicht mal den Gang zum Späti überstehen. Also unterstütze ich durch den Kauf lokaler, handgefertigter Schuhe. So begab ich mich auf Suche nach der großen Schuh-Liebe.

Rom nach Kreuzberg nach Mitte – Der Meister meiner Liebe

Ich habe bei meiner Suche bewusst auf eine Online-Recherche verzichtet und stattdessen meine Berliner Freunde interviewt von denen ich wusste, dass sie handgefertigte Schuhe tragen und die Empfehlungen waren eindeutig. „Meisterschuh“, eine echte Manufaktur – das klingt schon nach Qualität und Nachhaltigkeit – mit mehr als 30 Jahren Tradition erst in Kreuzberg jetzt in Mitte. Ich machte mich also in meinen Deichmann-Latschen auf den Weg und überlegte bereits, wie sich wohl maßgeschneiderte Schuhe im Vergleich anfühlen. Im „Meisterschuh“ angekommen, war ich überwältigt von dem Ledergeruch, der mir entgegenwehte. Der Laden hat Flair, viel Holz, noch mehr Leder und auf der Ladentheke eine uralte Klingel! Bei einem Rom-Urlaub lernte der Meisterschuh-Geschäftsführer einen Schuhmacher in vierter Generation kennen, er wurde sein Lehrling und machte aus dem Urlaub eine vierjährige Ausbildung im Schuhhandwerk. Diese Geschichte ist fast schon zu romantisch und somit die perfekte Grundlage für meine Schuh-Liebesstory.

Die ganz große Liebe

Zierliche Löcher und feine Nähte, Budapester Schuhe fand ich schon immer faszinierend. Diese sollten es also sein. Es wurde Maß genommen, jeder Zentimeter meiner Füße vermessen, damit die Schätze später perfekt sitzen. In mehr als 200 Arbeitsschritten entstanden meine ganz individuellen Budapester aus pflanzlich gegerbtem Leder, Hanfgarn und handgedrehtem Pechdraht. Das hört sich abenteuerlich an, aber das Ergebnis ist einfach wunderbar! Die Deichmann-Latschen sind abgeschrieben. Die Budapester sind meine Lieblingsschuhe, eine ganz große Liebe. Und sie hält für die Ewigkeit!